10 Jahre Theologischer Gesprächskreis mit Propst Liersch - und es geht weiter!

Als Propst Helmut Liersch im September 2011 in den Ruhestand ging, kam aus dem Kreise der Teilnehmer des Theologischen Gesprächskreises der starke Wunsch, diesen Arbeitskreis auch über seinen Ruhestandstermin im Oktober hinaus weiterzuführen (s.u.). Jetzt ist es amtlich - es geht weiter. Nach einem Treffen im September 2011 und der folgenden "Eingewöhnung" von Herrn Liersch in den Ruhestand fand am 23. Februar mit ca. 25! Teilnehmern (die Stühle wurden knapp) der Auftakt für die Fortsetzung statt. Propst i.R. Liersch brachte noch einmal eine Zusammenfassung der beiden Schöpfungsgeschichten aus "Genesis", damit auch die neuen Mitglieder des Kreises auf den akuellen Wissensstand gebracht wurden.

Herzlichen Dank an Propst i.R. Helmut Liersch von allen Teilnehmern für die Bereitschaft den Kreis weiter zu führen!!!

Termine des Theologischen Gesprächskreises

Im März 2001 wurde der Theologische Gesprächskreis unter der Leitung und Moderation von Herrn Liersch nach einer längeren Pause wieder ins Leben gerufen. Bis 2003 wurden überwiegend biblische Texte durchgesprochen, die jeweils an einem der kommenden Sonntage Grundlage der Predigt waren. Im Oktober 2001 wurde angesichts der Zerstörung des World Trade Center über die Klagelieder gesprochen; auch einzelne biblische Gestalten wie Johannes der Täufer standen im Mittelpunkt. 2003 ging der Theologische Gesprächskreis dann dazu über, ganze biblische Bücher zu lesen.

So beschäftigte sich die Gruppe im Jahr 2003 ausschließlich mit dem alt-israelitischen Propheten Amos , einem Systemkritiker im damaligen Nordreich (Israel), 2004 wurde das Markus Evangelium behandelt, in dem die Konfrontation Jesu mit den religiösen Eliten der damaligen Zeit einen breiten Raum einnimmt. Seit Mitte 2005 ging es um den 1. Korintherbrief, in dem Paulus ein revolutionäres Gesellschaftsbild entwirft und den Begriff "Kirche" definiert. Im Jahr 2007 haben wir das Apostolische Glaubensbekenntnis und andere frühe Bekenntnisse behandelt. Im Kreis wurden drei neue Glaubensbekenntnisse erarbeitet , die anlässlich der Visitation durch Landesbischof Weber im Gottesdienst vorgetragen wurden.

Spannend war auch die Beschäftigung mit der Frage, wie das Alte Testament im Neuen Testament ausgelegt wird (Biblische Hermeneutik). An eindrucksvollen Beispielen wurde deutlich, in welchem Maß die frühen christlichen Texte Motive und Erzähltraditionen aus der Glaubensüberlieferung des alten Israel aufnehmen.

Praktisch das gesamte Jahr 2008 und Teile von 2009 standen im Zeichen des Römerbriefes des Apostels Paulus. Es wurde deutlich, dass es sich um die wohl wichtigste christliche Schrift der Antike handelt, zumal dort erstmals der neue Glaube begrifflich reflektiert wird. In diesem Zusammenhang wurde die Rechtfertigungslehre, die u.a. besagt, dass der Mensch allein durch den Glauben und nicht durch Werke vor Gott gerecht ist, ausführlich behandelt. Über dieses Thema wurde am 30. Oktober 2008 auch eine öffentliche Veranstaltung mit Gästen im Rahmen der Amsdorfwoche durchgeführt, Thema: "Luther und der Römerbrief - der reformatorische Durchbruch" - mit lebhafter Beteiligung.

Das derzeitige Thema, mit dem sich der Gesprächskreis beschäftigt, ist die Urgeschichte im 1.Mosebuch (Genesis), Kapitel 1-11; es ist, wie sich Abend für Abend herausstellt ein hoch spannender und aktueller Abschnitt der Bibel, der häufig unzureichend oder fehlerhaft interpretiert wird.

Während der Treffen werden die einzelnen Kapitel zuerst von Propst Liersch und der Gruppe gelesen, anschließend wird von den einzelnen Gruppenmitgliedern eine Erklärung und Deutung des Textes versucht. Anschließend lüftet Propst Liersch "die letzten Geheimnisse und die eigentliche Bedeutung" des Textes.

Dabei zeigt sich häufig, dass eine exakte Interpretation nur durch entsprechendes Hintergrundwissen und Auslegungen sowie durch Kommentare erarbeitet werden kann. Das Besondere an diesen Interpretationen sind die theologischen und religionsgeschichtlichen Hintergrundinformationen, die wichtig für das Verständnis der Texte und der geschichtlichen Vorgänge in der Zeit der Entstehung der Bibel sind. Exkurse in griechische und hebräische Texte werden gelegentlich zur Verdeutlichung herangezogen.

Erstaunlich dabei ist immer wieder die Aktualität der Bibeltexte, die, obwohl sie zwischen 2800 und 1900 Jahre alt sind, starken Bezug zur unmittelbaren Gegenwart haben. Angesichts dieser Bezüge kommt es häufig zu lebhaften Debatten.

Angesichts der Tatsache, dass manche Bücher über 1 ½ Jahre lang Thema sind, lässt sich ermessen, dass sehr in die Tiefe gegangen wird, um die eigentliche Bedeutung der Texte zu ergründen. Langweilig wird es dabei nie! Es entwickeln sich meistens lebhafte, manchmal sogar heftige Diskussionen; manchmal "rauchen die Köpfe". Die Rechte und die Bedeutung der Frau, die in den alten Texten oft nur wenig oder versteckt zu erkennen sind, werden häufig von Frau Liersch herausgearbeitet und energisch verteidigt.

Nach dieser Beschreibung könnte man meinen, es handele sich um eine ausgesprochen ernste Veranstaltung. Doch dies ist nicht so, es wird auch häufig gelacht! Durch regelmäßige Teilnahme erwerben die Teilnehmenden ein umfangreiches und fundiertes Wissen auf dem Gebiet der Theologie und der Religionsgeschichte.

Der Kreis hat etwa 35 feste InteressentInnen und eine durchschnittliche Anwesenheitsquote von ca. 20 Personen, er findet einmal im Monat statt, in der Regel donnerstags. Zu bemerken ist noch, dass bei allen Teilnehmenden ein sehr starkes Interesse besteht, den Gesprächskreis unter der Leitung von Propst Liersch auch über seinen Ruhestandstermin im Oktober hinaus weiterzuführen. Wir sind nämlich noch lange nicht fertig mit den "Büchern"!

Hartmut Hädrich

Termine des Theologischen Gesprächskreises



Bilder aus dem Theologischen Gesprächskreis

Der Theologische Gesprächskreis, aufgenommen im Januar 2011

Der Theologische Gesprächskreis, aufgenommen im Juni 2007

Fotos: H.Hädrich